Zur Geschichte der Hugenotten im saarländisch-lothringischen Grenzbereich

Das Konzil von Trient von 1545-1563

Der Dom zu Trient wurde zum Schauplatz eines der wichtigsten Konzilien in der Geschichte der Kirche. Zahlreiche Kardinäle, Bischöfe und Theologen versammelten sich in der norditalienischen Stadt um das vom Papst Paul III. (1534-1549) bestimmte Thema, die Verhinderung der drohenden Kirchenspaltung, zu beraten. Ein erhoffter Dialog mit den Protestanten, den "Ketzern und Heiden" kam hier gar nicht erst zustande.

Als treibende Kraft einer zum Ende des Konzils beschlossenen "Gegenreformation" war die neugegründete Gesellschaft Jesu oder kurz die "Jesuiten", die ausschließlich dem Papst unterstellt waren. An ihrer Spitze stand nicht ein Abt, sondern ein "General". Diese hochgebildeten und straff organisierten "Soldaten Gottes" wurden schnell zum Inbegriff einer kämpferischen Truppe zur Wiederherstellung der Alleinherrschaft der katholischen Kirche. Ihre Waffen waren die Kanzel, der Beichtstuhl und die Schule. Auch die Architektur und die Kunst standen im Dienst dieser Gegenreformation. In goldenen Engeln, überladenen Dekors und prächtigen Deckengemälden

Der Augsburger Religionsfriede von 1555

Die jeweiligen Landesfürsten bestimmten die Religionszugehörigkeit ihrer Untertanen: "Cuius regio, eius religio" (wessen Land, dessen Religion). Im Volksmund: "dessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing". Falls der Landesherr seinen Glauben wechselt, müssen die Untertanen mitziehen. Wer sich nicht fügt, muß das Land verlassen. Eine Regel, die für unsere Gegend fatale Folgen hatte.

In der Bischofsstadt Metz bestanden um 1560 drei Glaubensbekenntnisse nebeneinander, wobei neben dem katholischen, dem jüdischen, die Hälfte der Bevölkerung der Lehre Calvins folgten und aktive Protestanten waren. Seit 1552 stand die Stadt unter der Schutzherrschaft der französichen Könige, die, um ihre Stellung zu stärken, zunächst noch bis zur Aufhebung des Ediks von Nantes im Jahr 1680 mit den Hugenotten zusammenarbeiteten. Die Herzöge von Lothringen waren dagegen eifrige Katholiken und führten eine aktive gegenreformatorische Politik, was sich besonders durch den systematischen Ankauf einzelner Verwaltungsbezirke, so St. Avold, Hombourg-Haut, Lixheim und Marsal auswirkte. Die benachbarte nassauische Grafschaft Saarbrücken-Ottweiler war 1575 lutherisch geworden.

Trotzdem entstanden Inseln der Toleranz. So fanden auf Einladung des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1640-1688) etwa 20 000 Hugenotten Zuflucht in seinem Kurfürstentum. Auch die Grafen von Saarbrücken gewährten den Andersgläubigen Schutz und Unterkunft, ebenfalls die Herren von Kriechingen in ihren Dörfen Courcelles und Freimengen. Die lutherischen Glasmacher verließen das zum Herzogtum Lothringen gehörende Merlenbach und siedelten 1608 im benachbarten nassauischen Nassweiler.

In Metz findet Frankreichs Siegeszug seinen baulichen Ausdruck. Zunächst drängt die dem König verbündete Macht vor, die Kirche. Die Gegenreformation hatte die geistigen Kräfte der Zeit in sich aufgenommen. Auf sie konnte sich die zentralisierende Politik des Königtums stützen. Ihr mußte der Protestantismus geopfert werden. Die Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) hatte die Religionskriege in Frankreich zugunsten Roms entschieden. Die Protestanten wurden ausgerottet. Wer sich dem katholischen Glauben nicht fügt, muß weichen. Bestes Blut wird aus Frankreich vertrieben, wandert aus in protestantische Länder. Auch in Metz werden Tausende tüchtiger Bürger und Handwerker, Kaufleute und Beamte außer Landes gejagt. Sie wandern nach Hanau, nach Brandenburg, in die Fremde. Wieder verliert die Stadt einen Kernbestand ihrer Bevölkerung. Unsäglicher Jammer über die Betroffenen!  Es seien an die 5000 gewesen. Ein schweres Unglück aber auch für das wirtschaftliche und kulturelle Leben von Metz. Der Jammer wird übertönt vom Jubel des Siegers. Die Gegenreformation erobert mit ihren Kirchenbäuten die Stadt. In der kirchlichen Baukunst dieser Jahrzehnte liefern zuerst Italien, dann die fanzösische Klassik die Typen. Sie erscheinen in Metz schon in etwas chematisierter Abwandlung. Heinrich IV. hatte die Jesuiten in Metz eingeführt.

Ludwig XIII. hatte ihnen die Kirche der Reformierten überlassen (1642) an deren Stelle in der Ziegenstraße errichten die Streiter Jesu 1665 ihr großes Gotteshaus. Diese Notre-Dame (Liebfrauen) folgt dem Typus, den die Jesuiten schon in Paris und anderen französischen Städten in Abwandlung des römischen Vorbilds gefestigt hatten: das breitproportionierte dreischiffige Langhaus, dem ohne architektonische Dramatik Querhaus und Chor angfügt sind. Aus der üblichen Einrichtung ragen an künstlerischer Qualität vier Evangelistenfiguren und die Madonnenstatue hervor. Diese bedeutenden Werke der Barockplastik stammen von einem Tiroler, dem Innsbucker Mahlknecht, der damals in Paris lebte. Metz selbst verfügt nichtmehr über eine eigene Kunst. Die allzu kühl und etwas plump geratene Fassade wurde dem Schiff erst 1739 vorgesetzt (Abb. 62). Den gleichen schematisierten Fassadentyp bringt die Kirche, welche die Kleinkarmeliter in den Jahren 1680-1685 etwas oberhalb des Doms errichten. Eine Zentralkuppel verleiht dem Innern einen monumentalen Zug. Aber weder des älteren noch des jüngeren Mansards hoher Geist hat hier gewirkt: ein Italiener, Giovanni Betto, bringt italienisches Schulgut in die jetzt französische Stadt (seit der Französischen Revolution sind Bibliothek und Museum in der Kirche und den Klosterräumlichkeiten untergebracht).

Ein anderer Italiener, Spinga, aus Rom, baut für die alten Stifte St. Vinzenz, und St. Clemens neue Konventsgebäude. Bei St. Vinzenz bleibt die alte Kirche zunächst noch unverändert. Für den Kirchenneubau von St. Clemens möchte man keinen Italiener als Architekten annehmen. Hier greift in System und räumlicher Artung die Gotik noch einmal herauf in die schon von der neuen Klassik eroberte Zeit: eine dreischiffige Halle ohne Querhaus, deren schwere Rundpfeiler über mächtigen korinthisierenden Kapitellen gotische Rippengewölbe tragen.

Der schlankproportionierte Bau schwebt eingeschient in ein mächtiges Strebewerk, das auf der Südseite unten den Kreuzgang einbezieht, der ähnlich wie bei St. Vinzenz gotische und barocke Elemente mischt. Dies St. Clemens ist die französische Parallele (vgl. St. Mihiel an der Maas) zu den etwas früheren deutschen Jesuitenkirchen in Köln, Koblenz, Luxemburg, Molsheim i. Els. u. a., in denen ebenfalls die gotische Überlieferung in modernes Formempfinden hinaufgehoben wird. Es ist trotz seiner frostigen Kühle, die durch die später vorgesetzte plumpe Fassade 1715-1737) noch verstärkt wird, der originellste Bau im Metz des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Das ursprüngliche Benediktinerkloster wurde später den Jesuiten, die 1764 vertrieben und 1853 wieder eingeführt worden waren, überlassen. Ihre Liebfrauenkirche war Pfarrkirche geworden. Bis zu derer abermaligen Vertreibung im Jahre 1872 hatten sie es innegehabt.

Metz hatte im Jahr 1684 noch 20710 Einwohner, davon 4380 Reformierte und 795 Juden.

Hugenotten

Französische Protestanten wurden seit etwa 1560 als Hugenotten bezeichnet. Da die Lehren Luthers und besonders Calvins in Frankreich verboten waren, kam es zu Verfolgungen der Glaubensanhänger und zu den sogenannten Hugenottenkriegen (1562-1598).

Über 200.000 Hugenotten (Réfugiés) flüchteten aus Frankreich und fanden vor allem in der Schweiz, den Niederlanden, England und den reformierten Gebieten in Deutschland eine neue Heimat. Gegen die Restgemeinde in Frankreich wurde der grausame Cevennenkrieg (1701-1704) geführt. Erst der Code Napoléon gewährte den Hugenotten Glaubensfreiheit und völlige Gleichberechtigung.
Der Große Kurfürst ermöglichte durch das Edikt von Potsdam 1685 die Aufnahme und Ansiedlung der Réfugiés in Brandenburg-Preußen. Etwa 20.000 Hugenotten kamen ins Land und machten um 1700 bereits über 30 % der Bevölkerung Berlins aus.

Die Hugenotten blieben in Deutschland noch zwei bis drei Generationen unter sich, bildeten eigene Gemeinden und bewahrten ihre Muttersprache. Die Genealogie zahlreicher Hugenotten-Familien läßt sich anhand der Kirchenbücher reformierter Gemeinden häufig bis nach Frankreich zurückverfolgen.

Autor: Hans Werner WEITER (Redaktionell überarbeitet von Thomas Stuppy)

Presseschau:

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Kategorie: Veranstaltungen, Geschichte
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Kategorie: Geschichte, Völklingen

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