Die Christianisierung

Mit der von Trier und Metz ausgehenden christlichen Missionierung durch klostergründene Mönche, begann ab dem verherenden Hunneneinfall von 451 eine fundierte Geschichtsschreibung im Westrich.

Während wir über die Geschichte der Saar- und Bliesgaugrafschaften verhältnismäßig gut unterrichtet sind, liegt die Vergangenheit des Rosselgaues mit seinen umliegenden Wäldern im Dunkeln.

Mit Beginn der merowingischen Reichsverwaltung entwickelte sich auch eine kirchliche Organisation, welche die schon in der spätantiken Zeit entstandenen Bistumsbereiche mit ihren gallisch-römischen Provinzgrenzen noch weiter verwandte, so wurde aus der Provinz Belgica Prima mit seiner Metropole Augusta Treverorum das Erzbistum Trier und aus der civitas Mediomatricorum das Bistum Metz. Diese Stadt ist im frühen Mittelalter zum Ausgangspunkt der christlichen Missionierung geworden, die das ganze Rosseltal, die beiden Ufer der oberen und mittleren Saar bis etwa nach Völklingen und den Bliesgau von Saargemünd bis St. Wendel erreichte. Auf den Trümmern römischer Villen und Tempel entstanden christliche Gotteshäuser mit ihren Pfarreien, die in Archidiakonate und Archipresbyteriate geordnet, dem Bischof von Metz unterstanden. Mittelpunkt wurde der Dom  zu Metz, wo schon zu Beginn des 5. Jahrhunderts eine dem Heiligen Stephanus geweihte Kirche stand. Als am Karsamstag des Jahres 451 Attila mit seinen Hunnen in Metz einzog und die Stadt in Schutt und Asche legte, blieben allein dieses Heiligtum und die dorthin geflüchteten Bürger verschont. Kurz darauf wurde Sankt Stephan Bischofskirche, an Stelle der Apostelkirche, die vor dem Südtor der Stadt lag, da wo vor 300 der Hl. Klemens, der erste Bischof von Metz, in den Ruinen des römischen Amphitheaters die erste christliche Kirche eingerichtet hatte.


Mithras

In der altiranischen Religion der Gott des Lichtes, hatte als Sonnenreligion in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt seine größte Verbreitung gefunden. Viele Gemeinsamkeiten verbanden diesen Kult mit dem aufkommenden Christentum, wie die Reinigung der Seele durch die Taufe, Firmung zur Erlangung der Kraft zum Kampf gegen das Böse, Kommunion für das Heil der Seele und des Körpers, Heiligung des Sonntags und die Feier zur Geburt der Sonne am 25. Dezember. Seiner Ursprünglichkeit wegen behinderte der Mithraskult die anfängliche Verbreitung des Christentums, das, damals wie heute, in viele Glaubensrichtungen aufgespalten war.

In Mitteleuropa belegen archäologische Funde und Fragmente von Kultbildern eine weite Verbreitung des Mithras-Kultes, so in Schwarzerden, Saarburg/Lothringen, Gimmelhausen, Speyer, Rockenhausen und Bergzabern in der Pfalz, Straßburg und Hagenau im Elsaß, Mainz, Andernach, Godesberg, Bonn, Köln und Trier (Aufzählung nach Dr. Josef KELLER).

In unsere Umgebung haben sich sieben Treppenstufen, Überbleibsel von Kultstätten zur Symbolisierung der sieben Weihestufen des Mithras erhalten:

Hier finden wir das zugänglichste Treppensymbol in einem gut erhaltenen Mithräum. Sieben Treppenstufen führen in einer leichten Rechtsdrehung nach oben und enden - für den Betrachter völlig sinnlos - an der glatten Felswand. Hier zeigt sich am deutlichsten, daß diese Treppen nur Symbole waren. Einen praktischen Nutzen als Aufstieg oder Aufgang läßt sich nirgendwo erkennen. Auch Gebrauchs- oder Abriebspuren, wie man sie bei allen alten Steintreppen feststellen kann, sind nicht vorhanden. Bemerkenswert ist noch, daß sich die drei letzgenannten Treppen vom Betrachter aus immer links vom Altar eines Oratoriums befinden. Es waren kleine Räume, und nur wenige Gläubige, die in Bruderschaften eingeteilt waren, hatten zu den Mysterien Zutritt. Frauen waren überhaupt nicht zugelassen.

Die Teilnehmer waren in sieben Weihegrade eingeteilt: Corax/Rabe, Cryphius/Geheime, Miles/Soldat, Leo/Löwe, Perses/Perser, Heliodromus/Sonnenbote und der Pater/Vater. Die Erringung eines dieser sieben Stufen war mit strengen Übungen, Prüfungen und Bewährungsproben verbunden. Den sieben Graderhöhungen entsprachen sieben Sakramente, die durch den Pater gespendet wurden, und die sieben Planeten Saturn, Sonne, Mond, Jupiter, Mars, Venus und Merkur waren die Schutzgötter dieser sieben Weihegrade, die sich größtenteils als die Namen unserer Wochentage bis heute gehalten haben. In der Märchenwelt begegnen uns die Sieben Zwerge, Siebenmeilenstiefel, sieben Raben, sieben Schwaben, dazu kommt der siebenter Himmel, die sieben Weltwunder, die sieben Weisen, usw. Das Christentum verehrt die Siebenschläfer als Heilige, die sieben Schmerzen Marias, die sieben Fußfälle Christi. Sieben Chorherren hatte das Stift St. Arnual am alten Übergang über die Saar, dessen erste Niederlassung, der Überlieferung nach, das oberhalb am Halberg gelegene Mythräum, die spätere Heidenkapelle, war.


Arianismus

Seit der Bekehrung Kaiser Konstantins zum Christentum im Jahr 312 konnte sich die christliche Religion ungehindert im römischen Reich ausbreiten. Erst die Stürme der Völkerwanderung ab 407 bis 464 unterbrachen die Missionierung, bis der Frankenkönig Chlodewig I. nach seinem Sieg über die Alamannen bei Zülpich im Jahr 496 sich, im Gegensatz zu seinen Feinden, die dem arianischen Christentum anhingen, zum römischen Christentum bekannte.

Arianer waren die Anhänger des Presbyters Arius (gest. 336) in Alexandria, der als Hauptdogma die Verneinung der Wesensgleichheit Christi mit Gott dem Vater aufstellte: Christus sei durch den göttlichen Willen aus nichts geschaffen, aber selbst nicht wahrhaft Gott. Der daraus entstandene Arianische Streit hat lange Zeit den christl. Orient zum Teil auch den Okzident bewegt. Arius wurde 318 abgesetzt, auf den Konzilen von zu Nicäa 325 und Konstantinopel 381 seine Lehre (Arianismus) verdammt und die Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater (Homousie) gegenüber der von Arius wie auch gegenüber der von den vermittelnden Semiarianern gelehrten Wesensähnlichkeit (Homöusie) als Dogma der römischen Reichskirche festgesetzt. Seit dem 5. Jahrhundert verschwand der in verschiedene Parteien zersplitterte Arianusmus aus dem Römischen Reich, fand aber neuen Boden bei den zum Christentum bekehrten Germanen, den Vandalen, West- und Ostgoten, Burgundern, Sueven, Langobarden, die sich aber alle nach und nach dem katholischen Glauben zuwandten.

Unter der Herrschaft Theoderichs erlangte die Stadt Ravenna neuen Glanz. Die Goten wie auch die Wandalen, Burgunder und Langobarden waren Arianer geblieben. Während der Arianismus innerhalb des römischen Reiches ausgerottet worden war, erlebte er mit staatlicher Unterstützung unter Theoderich eine Blütezeit im Westreich. Er ließ für den arianischen Kult die Anastasis Gothorum (heute Hl.-Geist-Kirche) in Ravenna mit der Funktion einer Kathedrale errichten; ebenso das mit Mosaiken reich geschmückte Baptisterium  der Arianer, sowie neben seinem Palast eine dem Erlöser geweihte Basilika.

Der einzige rheinische Bischof des 6. Jahrhunderts, dessen Persönlichkeit halbwegs deutlich wurde, war Nicetius von Trier (525 bis um 565). Er verdankte sein Ansehen König Theuderich I. von Austrasien, weil er ohne Furcht die Sünden des Königs anprangerte. Hervorgegangen aus den Kreisen des damaligen Mönchtums vertrat er die Dogmen der römischen Kirche, so daß er Kaiser Justinian brieflich von Ketzereien abzubringen suchte und eine fränkische Prinzessin ermahnte auf ihren Gemahl den arianischen Langobardenkönigs Alboin zugunsten des Katholizismus einzuwirken.

In Ravenna hat, nach der Vermutung der meisten Forscher zwischen 670 und 680, ein unbekannter Verfasser ein Erdkundebuch verfaßt, die sogenannte Kosmographie von Ravenna. In dieser beschreibt er das Land der Schwaben, das auch das Land der Alamannen ist, und das Siedlungsgebiet der während der Völkerwanderungszeit in Gallien eingewanderten Alamannen, das sich nach dieser Beschreibung über das Elsaß und Lothringen hinaus bis an die Mosel ausdehnte. Wenn in dieser Kosmographie die Lokalisierung einiger Ortsnamen immer noch Schwierigkeiten bereitet, so sind aber die Städte Worms, Straßburg, Zabern und Theodoricopolis, urkundlich Theodonisvilla - Thionville - Diedenhofen, eindeutig bestimmt und dem alamannischen Gebiet zugeordnet.

Im Gegensatz zu den heidnischen Franken waren die Alamannen bereits arianische Christen, die in ihren Siedlungsgebieten schon früh über kirchliche Einrichtungen verfügten. Auffallend sind große Landpfarreien zur Betreuung ihrer weit auseinanderliegenden Einzelsiedlungen in der städtelosen Landschaft dieser frühen Zeit. Die Quellen darüber sind dürftig und nicht immer ganz eineutig zu interpretieren. Zum Beispiel sind Waibelskirchen/Varize an der Deutschen Nied und Wiebelskirchen an der Blies als ursprüngliche alamannische Mutterkirchen in einem frühen Archipresbyteriat anzusehen, die aber wegen der Klostergründungen in ihrer Nachbarschaft, während der fränkischen Kolonialisierung, ihre Funktion eingebüßt haben und völlig in Vergessenheit gerieten.

Die Ribuarier um Köln wurden von Chlodwig gegen die sie bedrängenden Alamannen in Schutz genommen. In einer blutigen hin und her wogenden Schlacht bei Zülpich (496) wurden die Alamannen besiegt und mußten die Oberherrschaft der Franken anerkennen. Sie verlieren zugleich  ihr linksrheinisches Land bis auf das Elsaß, und rechts des Rheins werden sie durch eine fränkische Einwanderung stark eingeschränkt. Einige haben sich damals von Theoderich in Graubünden ansiedeln lassen.


DIE GRÜNDUNG DER BISTUMER NANCY UND ST. DIÉ

Durch lange Jahrhunderte bis zur Französischen Revolution bildete die Trierer Erzdiözese mit den Bistümern Metz, Toul und Verdun die Trierer Kirchenprovinz, an deren Spitze als Metropolit der Trierer Bischof stand. In ihrem Werden dürfte diese Metropolitangewalt wohl auf die überragende Stellung Triers in römischer Zeit zurückzuführen sein; denn das Konzil von Nicaea (325) hatte den Sitz einer kirchlichen Metropole von der weltlichen Bedeutung der jeweiligen Stadt abhängig gemacht.

Im 4. Jh. war aber die Bedeutung Triers sehr groß. Trier war kaiserliche Residenz und später Sitz des Praefectus Praetorio Galliarum. Hier liefen die Fäden der Verwaltung für den Westen des Reiches zusammen, und auch mit dem Osten bestand ein reger Austausch, nicht zuletzt in kirchlicher Beziehung. So fanden die Glaubensstreitigkeiten der morgenländischen Kirche in Trier sehr lebhaften Widerhall. Die Trierer Bischöfe Maximin (um 336-346) und Paulin (346-358) gehörten zu den aktivsten Anhängern des Athanasius und mußten die Blicke der Christenheit auf Trier lenken. Man kann Trier in der 2. Hälfte des 4. Jh. "eine Hauptstätte des römisch-kath. Christentums" nennen.

In derselben Zeit wurde auch die Grundlage für die Abgrenzung der Trierer Kirchenprovinz gelegt. Das Konzil von Turin (nach 400) erhob nämlich die weltliche Einteilung des Römischen Reiches zur Richtschnur für die kirchliche Organisation. Wenn in der "Notitia Galliarum" 6), welche den Zustand des 5. Jh. wiedergibt, Trier als Hauptstadt der "provincia belgica prima" mit den civitates Metz, Toul und Verdun erscheint, dann haben wir hier die Kirchenprovinz Trier vorweggenommen und zur gleichen Zeit den Beweis, daß die kirchliche Organisation auf römische Zeit zurückgehen muß.

Diese Organisation blieb auch in der Zeit der Frankenherrschaft bestehen. Die politische Bedeutung Triers schwand die kirchliche Stellung aber blieb erhalten. Es ist sogar durchaus möglich, daß Ende des 5. Jahrhunderts dem Trierer Bischof erstmalig auch kirchenrechtlich die Stellung eines Metropoliten zuerkannt wurde. Die Auswirkung dieser Würde war allerdings unter den Merowingern zu gering, als daß reichhaltige Spuren auf uns gekommen sein könnten. Nur gelegentlich können wir die Metropolitanjurisdiktion nachweisen, so z. B.
wenn Nicetius von Trier (527-566) auf den Konzilen von Orleans (549) und Paris (552) neben anderen Metropoliten unterzeichnete. In diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache nicht unwichtig, daß der Dichter Venantius Fortunatus Nicetius gelegentlich "pontificum caput" nennt, ein Ehrentitel, der wahrscheinlich den Vorrang des Trierer Bischofs vor anderen ausdrücken sollte.

Seit Nicetius scheinen die Trierer Bischöfe als Metropoliten gegolten zu haben. Das immer stärker werdende Staatskirchentum der Merowinger konnte diese Metropolitanrechte zwar einschränken, aber nicht beseitigen. So haben wir von Bischof Numerian von Trier (um 640-670) eine - allerdings in ihrer Echtheit umstrittene - Urkunde, die gerade für die nachstehenden Ausführungen von Interesse ist. Diese Urkunde enthält nämlich für das Stift St. Dié (St. Galilea) die Exemition von der Jurisdiktionsgewalt des Touler Bischofs. Sollte diese Urkunde echt sein, dann wäre das ein klarer Beweis für die hervorragende Metropolitanstellung Triers in jener Zeit.

Unter Karl Martell (714-741) dürfte allerdings die Ausübung der Metropolitangewalt im Frankenreich zwar nicht de jure, aber doch de facto zum erliegen gekommen sein. Karl besetzte Bistümer und Abteien nach rein politischen Gesichtspunkten und kümmerte sich nicht im geringsten um kirchliche Vorschriften. Nach Trier setzte er Milo (um 714-753), einen Mann, der weder die Priesterweihe empfangen hatte, noch ein geistliches Leben führte. Es ist klar, daß unter solchen Umständen an eine wirkliche Ausübung von Metropolitanrechten und vor allem von Metropolitanpflichten nicht zu denken war. Erst unter Karl dem Großen (768-814) scheint die alte Kirchenverfassung wiederhergestellt worden zu sein. Um 811-812 erließ der Kaiser ein Schreiben an die Metropoliten seines Reiches, darunter auch an Amalarius von Trier (um 804-814), in dem er sie aufforderte, Bericht zu erstatten über den Taufritus, wie er von ihm und seinen Suffraganen ausgeübt werde Auch im Testament Karls ist Trier unter den Metropolen aufgeführt.


Chlodwig I.

Geboren um 465, gestorben 511 in Paris, Sohn Childerichs I., fränkischer König, folgte 482 seinem Vater als Teilkönig der salischen Franken in Tournai. Eroberte das Land an der Seine 486/467 durch seinen Sieg bei Soissons über den römischen Stadthalter Syagrius und beseitigte damit den letzten Rest der römischen Herrschaft in Gallien. Um 496 besiegte Chlodwig, von den ripuarischen Franken um Hilfe gerufen, die Alemannen und trat - angeblich aufgrund eines Gelübdes in der siegreichen Entscheidungsschlacht - unter dem Einfluß seiner katholischen Gattin, der burgundischen Prinzessin Chlodhilde, zum katholischen Christentum über. Bis auf die südlichen, ostgotisch beeinflußten Gebiete wurde das Land der Alemannen unterworfen, der nördliche Teil sogar fränkisch besiedelt. Im Gegensatz zur Politik des arianischen Ostgotenkönigs Theoderich bemühte Chlodwig sich erfolgreich um die schnelle Annäherung der gallo-römischen und der fränkischen Bevölkerung, wodurch er das Reich innenpolitisch zu konsolidieren vermochte. Von der Kirche unterstützt unterwarf Chlodwig die katholischen Städte zwischen Seine und Loire und besiegte 500 bei Dijon die Burgunder. In den letzten Jahren seiner Herrschaft beseitigte Chlodwig die übrigen Teilkönige der salischen Franken und wurde so zum Gründer und einzigem Herrn des fränkischen Großreiches. Seine neue Residenz wurde Paris. Nach Chlodwigs Tod teilten das Reich seine Söhne Theuderich I., Chlodomer, Childebert I. und Chlothar I.


Chlodhilde

die Heilige, geboren um 475, gestorben 545 in Tours, burgundische Prinzessin, als Gattin Chlodwigs I. fränkische Königin; bewog ihren Gatten, sich taufen zu lassen und den katholischen Glauben anzunehmen; zog sich nach dessen Tod in das Kloster Saint-Martin in Tours zurück.


Metz

Gallo-römische Stadt, Hauptstadt des Merowinger-Reiches, Wiege der karolingischen Dynastie, freie Republik des Heiligen Reiches, hat Metz von seiner 3000-jährigen Geschichte sichtbare Spuren behalten.

Im Jahr 511, nach dem Tod Chlodewigs I., erhob sein Sohn Theuderich I. die alte gallisch-keltische Götterfestung Divoduron - Divodurum Mediomatricum oder verkürzt Metz zur Hauptstadt Austrasiens. Er erwählte den römischen Stadtpalast, östlich des heutigen Domes, zu seiner Residenz. Von hier ordnete er die Verwaltung der eroberten Länder, teilte sie in Gaue, diese in Centen oder Hundertschaften und diese widerum in Decanien. Die Gaue unterstanden einem Grafen, woraus sich die Grafschaften entwickelten, die Centen einem Centgraf, später der Vogt, woraus die Vogteien entstanden und die Decanien oder Gemeinden einem Meier. Seit dieser Zeit kennen wir den Saargau, den Rosselgau, den Bliesgau den Moselgau usw. Als Vogtei ist Homburg-St. Nabor in Erinnerung geblieben.

Mit dieser königlichen Verwaltung entwickelte sich auch die kirchliche Organisation, welche die schon in der spätantiken Zeit entstandenen Bistumsbereiche mit ihren gallisch-römischen Provinzgrenzen noch weiter verwandte, so wurde aus der Provinz Belgica Prima mit seiner Metropole Augusta Treverorum das Erzbistum Trier und aus der civitas Mediomatricorum das Bistum Metz. Diese Stadt ist im frühen Mittelalter zum Ausgangspunkt der christlichen Missionierung geworden, die das ganze Rosseltal, die beiden Ufer der oberen und mittleren Saar bis etwa nach Völklingen und den Bliesgau von Saargemünd bis St. Wendel erreichte. Auf den Trümmern römischer Villen und Tempel entstanden christliche Gotteshäuser mit ihren Pfarreien, die in Archidiakonate und Archipresbyteriate geordnet, dem Bischof von Metz unterstanden.

Mittelpunkt wurde der Dom zu Metz, wo schon zu Beginn des 5. Jahrhunderts eine dem Heiligen Stephanus geweihte Kirche stand. Als am Karsamstag des Jahres 451 Attila mit seinen Hunnen in Metz einzog und die Stadt in Schutt und Asche legte, blieben allein dieses Heiligtum und die dorthin geflüchteten Bürger verschont. Kurz darauf wurde Sankt Stephan Bischofskirche, an Stelle der Apostelkirche, die vor dem Südtor der Stadt lag, da wo vor 300 der Hl. Klemens, der erste Bischof von Metz, in den Ruinen des römischen Amphitheaters die erste christliche Kirche eingerichtet hatte.

Hundert Jahre später wurde der austrasische Hausmeier Arnulf  Bischof von Metz (611-617). Durch die Ehe seines Sohnes Ansegisel mit einer Tochter Pippins des Älteren wurde er Ahnherr Karls des Grossen.

Ein Jahrhundert später kam der Heilige Chrodegang, früherer Minister Pippins, auf den Metzer Bischofsstuhl (742-766). Er bereicherte und verschönerte die Kathedrale. Durch die Reform des Klerus (regula canonicorum) und der Liturgie (schola cantorum) übte er einen grossen Einfluss weit über die Grenzen seiner Diözese aus. Kaiser Karl der Grosse (768-814) kam oft und gerne nach Metz, wo er die Arnulfsabtei zur Grabstätte für seine Frau Hildegard, sowie für seine zwei Töchter erkor. Später sollte auch sein Sohn Ludwig der Fromme (+ 840) dort seine letzte Ruhestätte finden. An den grossen Kaiser erinnert heute noch im Dom das rechte Chortürmchen, das seinen Namen trägt, sowie im Domschatz eine kleine, bronzene Reiterstatue. Sein Sohn Drogon wurde Bischof von Metz. In dieser Kathedrale ist noch am 9. 11. 869 Karl der Kahle zum König von Lotharingien gekrönt worden.

Gegen Ende des 10. Jahrhunderts beschloss der Metzer Bischof  Theoderich I. (965-984), das baufällig gewordene Heiligtum durch einen romanischen Neubau zu ersetzen. Sein Nachfolger, Theoderich II. (1006-1064), konnte am 27.6.1040 die neue, dreischiffige, kreuzförmige Kathedrale einweihen. In diese Zeit fällt auch die Schenkung des Warndtwaldes durch Kaiser Ottos III. an den Bischof Adalbert II. von Metz.

Ein bemerkenswertes Ereignis war die Weihnachtsnacht 1356, als Kaiser Karl IV. mit dem französischen Dauphin Charles im Hohen Dom zu Metz zum Gottesdienste weilte. An dieser Feier nahmen die Erzbischöfe von Sens, Trier, Köln und Mainz die Bischöfe von Metz (Adémar), Strassburg, Lüttich, Toul und Verdun teil. Tags darauf proklamierte der Kaiser auf dem «Champ-à-Seille» die «Goldene Bulle», welche die Wahl des Kaisers durch die Kurfürsten regelte, und so für lange Jahre den Frieden in Europa sicherte.

Berümt war auch die Metzer Kirchenmusikschule, deren Ursprung in die Zeit König Pippins (752-768) und des Bischofs Chrodegang fällt, der, nach einem Rombesuch in seiner Kathedrale "römischen Gesang, römische Liturgie und römisches Recht" einführte. Die Metzer Sängerschule war unter allen Sängerschulen Galliens die Berühmteste, so daß zu allen Zeiten Jünglinge nach Metz kamen um sich hier im Gesang auszubilden. Karl der Große befahl im Jahr 805, daß die Kleriker nach Metz geschickt werden sollten, um den Kirchengesang zu erlernen, in ihre Heimat zurückgekehrt mußten sie ihn dort weiter verbreiten.


Remigius

So ist es nicht verwunderlich, daß sich in diesem christlich geprägtem kulturellen Zentrum schon recht früh sendungsbewußte Männer einfanden, die im königlich und bischöflichem Auftrag als Glaubensboten tätig wurden. Der erste nachweisbare Glaubensbringer im Rosseltal erschien bereits um 500 in Gestalt des Bischofs Remigius aus Reims, (440-535) dem "König Ludovicus", nachdem dieser ihn getauft hatte, Berna und noch ein Dorf, das er zu Ehren des Bischofs in seiner Sprache Biscofesheim nannte. Aus Berna verpflanzte dann Remigius Ansiedler nach Cosla und Gleni, welche Orte er in den Vogesen gekauft hatte. Die genannten Orte schenkte er mit vielen anderen seinem Stift. - So berichtet Remigius in seinem sog. großen Testament.

Diesen ersten Hinweis dazu gab uns August Hermann Jungk in seinen Regesten zur Geschichte der ehemaligen Nassau-Saarbrückischen Lande in den Mitteilungen des Historischen Vereins für die Saargegend, I. Teil, Heft 13, 1914 in der von ihm als Nr. 1 aufgeführten Kurzfassung des Remigius-Testaments. Dasselbe ist enthalten in Flodoard hist. eccl. Rem. Gedr. Marlot hist. de Reims 2, 610. ect. ect. M.G.S.S. 13, 424. ff. Dieses große Testament des Remigius gilt schon seit langer Zeit als unecht, vergl. Krusch, Hinkmar, Leben des Remig. Cap. 49, berichtet, daß Remigius große Wälder in den Vogesen gekauft und darin die Dörfer Cosla und Gleni angelegt und mit Leuten aus dem nahegelegenen Berna besiedelt habe, welcher letztgenannte Ort ihm schon vor längerer Zeit von den Franken geschenkt worden sei. Gedr. M.G.S.S. 13, 435.

Datiert ist die Taufe des Königs Chlodwig, verbunden mit seinem Übertritt zum Christentum und der darauffolgenden Schenkung an Remigius in das Jahr 496. Sie wird 952 von König Otto I. nochmals bestätigt und zusätzlich vermerkt, daß der Besitz im Rosselgau in der Bliesgrafschaft gelegen ist.

Dieses sogenannte Große Testament des Heiligen Remigius, das verändert, interpoliert oder sogar als Fälschung angesehen wird, beinhaltet große Ländereien, deren Besitz zu allen Zeiten von verschiedenen politischen und kirchlichen Instanzen beansprucht wurde, es ist das erste Schriftstück zur Geschichte unserer Region. Die darin erwähnten Örtlichkeiten Cosla (= Kusel) und Gleni (= Glanmünchweiler) in der Pfalz konnten wegen ihrer gut nachweisbaren Verbindung zu Reims leicht bestimmt werden. Auf dem Remigiusberg bei Kusel erbaute Bischof Remigius von Reims ein Kloster. Biscofesheim (= Bischmisheim) an der Saar war schon etwas schwieriger.
Lange Zeit unmöglich war die Zuordnung von Berna = Behren Kreis Forbach.


St. Avold

Nach Dom Calmet und den übrigen Metzer Geschichtsschreibern gründete der heilige Friedolin, der Schutzpatron der Alemannen bereits im Jahr 509 an der Rossel ein Oratorium  Nova-Cella, zu Ehren des heiligen Hilarius von Poitiers Hilariacum. Bischof Chrodegang von Metz brachte im Jahr 765 aus Rom die Gebeine des hl. Martyrers Nabor hierher, nach welchem die Siedlung  zu einer gut dotierten Benediktinerabtei erhoben wurde. Ihr Name verschliff sich von St. Nabor, Santafor, St. Avor zu St. Avold. Die Stadt, die um das Kloster entstand, war bereits im 14. Jahrhundert befestigt und erhielt 1365 einen Freiheitsbrief mit Gericht und Marktrecht, sie wurde zum Mittelpunkt des kirchlichen Lebens der weiteren Umgebung.

Als Landesherren der Abtei und der Stadt hatten die Bischöfe von Metz in St. Avold für eine Anzahl Dörfer im Umkreis ein Vogteigericht eingesetzt, dessen Vogt oder Schutzherr die Grafen von Metz aus dem Hause Luneville und danach die Grafen von Saarbrücken waren. Ihrer Aufsicht unterstanden auch der umliegende Warndtwald mit den vorbeiführenden Handelswegen. 1572 kam die Stadt mit einem Teil der Vogteidörfer an Lothringen und 1766 an Frankreich.


Der hl. Fridolin

Von Straßburg ging der Weg Fridolins nach Süden, zum Besuch der burgundischen Klöster, von wo der Heilige sich dann nach Osten wandte, um in der Bischofsstadt Chur Aufenthalt zu nehmen. Diesen benutzte er, wie Balther berichtet, um auch dort dem hl. Hilarius eine Kirche zu erbauen. Dasselbe tat Fridolin auch auf der Rheininsel Säckingen. Wie in seiner Vita erzählt wird, erstellte er dem hl. Hilarius eine Kirche nebst einem Frauenkloster, welches die Kanonissenregel befolgte.

Für drei der fünf von Fridolin gegründeten Hilariusheiligtümer läßt sich beweisen, daß diese mit einer klösterlichen Siedlung verbunden waren, und es ist nicht daran zu zweifeln, daß auch die Hilariuskirchen von Straßburg und Chur den gleichen Charakter hatten. Eine Bestätigung dieser Annahme liefert Petrus Damiani, der um 1060 in Poitiers eine Predigt über die Translatio der Hilariusreliquien hielt und worin er, offenkundig unter Benutzung der Tradition von Poitiers, von der Wirksamkeit des hl. Fredelinus, des Abtes des St. Hilariusklosters in Poitiers, von dessen Visionen nur wenige Heiligenfeste berücksichtigt.

Auffallend sind deshalb die Angaben über das Offizium des hl. Hilarius (14. Januar) wie auch dessen Anrufung in der kurzen Heiligenlitanei, welche die Münstergeistlichkeit am Dienstag der Bittwoche auf dem Prozessionsweg sang. In Dreiergruppen sind darin angeführt: die hl. Engel, Apostel, Märtyrer, Bekenner und Jungfrauen. Die Bekenner setzen sich zusammen aus: Hilarius, Martin und Gregor. Für beides, Fest und Litanei, siehe Wi1mart, Cantatorium a. a. 0. 10. 55. 21 "Qtuartae S. Hilarii ecclesiae Curiensis rudera adhuc extant", bemerkt Krusch, Vita Fridolini cap. 19, p 363, Anm. 3. Ein Urkundenfragment des 8. Jahrh., wohl letztes Viertel, erwähnt die St.Hilarius-Kirche von Chur, mit dem ausdrücklichen Vermerk, daß diese außerhalb der Stadt liegt.

Nun ist bekannt, daß das gemeinsame Leben des vom hl. Hilarius geleiteten Klerus die ältesten klösterlichen Gemeinschaften (cella s. Hilarii oder Hilariacuin) entstehen ließ. Als Hilariaca haben auch die von Balther erwähnten und dem heiligen Fridolin zugeschriebenen fünf Klostergründungen zu gelten. Die Ortsnamen Helera und Dillersmünster (Dillerescilla, Illericimonasterium weisen deutlich in diese Richtung. Ob sie alle, Säckingen ausgenommen, auf die Wirksamkeit des hl. Fridolin, wie in dessen Vita erzählt wird, zurückgehen, ist eine Frage, auf welche sich keine Antwort, weder im bejahenden noch verneinenden Sinn, mit Sicherheit geben läßt.

Nun ist auffallend, daß Balther mit keiner Silbe ein Hilariacum erwähnt, das, heute ein Städtchen in Lothringen, St. Avold mit Namen, südlich von Helera und östlich von Metz liegt. Der Ort wird von der Rossel, einem Flüßchen, bespült.  Die älteren Geschichtsschreiber Bruschius, Guillimann, Jod. Coccius (Koch), die Bollandisten wie auch Mone und Rettberg führten die Anfänge der Benediktinerabtei St. Avold auf den hl. Fridolin zurück. Indem man im 19. Jh. den Flußnamen Musella der Vita als Kopistenfehler für Rusella ausgab, glaubte man, die geschichtliche Begründung für diese Beziehung gefunden zu haben 25. Nun treten die Siedlungsverhältnisse von St. Avold in den alten Ortsnamenformen deutlich zutage. Als solche sind zu nennen: Hilariacus viculus 587, Nova Cella 717, Hilliriacum 764, Monasterium b. Naboris 765, Saint Avor 1241 26. Die Abtei St. Avold OSB. ist eine Gündung des Metzer Bischofs Sigisbald (708-740), dem auch die elsässische, nördlich von Zabern gelegene Abtei Neuweiler OSB.


Lubeln/Longeville-lès-St.-Avold.
St. Martin

Fast die gleiche Bedeutung erlangte das von Herzog Bodagisel von Aquitanien im Jahr 587 erbaute Kloster St. Martin im Eichenwald, St. Martinus Glanderiensis, St.-Martin-aux-Glandières, das heutige Longeville-lès-Saint-Avold oder volkstümlich Lubeln.

"Wichtiger noch ist die erst kürzlich gelungene Indentifizierung des Klosters Buxbrunno, das im Lorscher Codex, aber nicht nur hier im Zusammenhang mit der Metze Kirche genannt wird. Eine Lorscher Urkunde (CL 100) des Schreibers Wintherus vom 14. September 766/768 gibt Kunde von einem Tausch zwischen dem Metzer Bischof Angilram (vor a.768-a.791) und dem Lorscher Abt Gundeland (a.765-a.778) über Güter im Wormsgau: In Christi nomine bone pacis studio placuit uenerabili uiro Angilramno metense episcopo et Gundelando abbati de ratione ecclesie sancti Martini de monasterio Buxbrunno in pago Wormatiensi" (Buschborn/Buxbrunno ältere Bezeichnung für St. Martin-aux-Glandières, Longeville/Lubeln).


Zur mittelalterlichen Kirchengeschichte von Rosseln, Emmersweiler und St. Nikolaus
Baugeschichte, Lagepläne

1187
Im Juni des Jahres 1187 weilte Kaiser Friedrich Barbarossa als Gast des Grafen Simon II. zur Jagd im Warndtwald. Bei ihm befanden sich verschiedene Fürsten, wie der Erzbischof von Mainz. der Bischof von Toul, der Herzog von Lothringen, die Grafen von Saarwerden und Blieskastel. Vermutlich hatte der Graf ein Jagdhaus in der Nähe der späteren St. Nikolaus- Kapelle.

1270
Simon, Graf von Saarbrücken (Sarepons) und Herr von Commercy und Johannes, Graf von Saarbrücken und Herr von Commercy schenkten der von ihnen im Warando gebauten St.Nikolaus Kapelle einen Zins von 40 Schweinen aus diesem ihrem Wald Warand zu ihrer Jahreszeit, die der daselbst fungierende Kaplan jeden Mittwoch oder Freitag halten musste. Graf Simon mit seiner Gemahlin Matyldis und Graf Johannes beauftragten mit der Vollziehung dieser Stiftung nach ihrem Tod ihre Ritter, die Herren Beumund und Grynberch und Bertram von Gabre, sowie insbesondere den Werner von Saarbrücken und den Abt von Wadgassen

1290
Gerhard, Ritter und Warin, Wäppner von Warnesberg, Söhne des verstorbenen Ritters Warin von Warnesberg schenken der Kapelle St. Nicolas im Warant das Patronat der Kirche von Rosella. Friedrich, Abt von St. Nabor und Godfrid, Abt von Lubeln siegeln.  

1333
Erzbischof Balduin von Trier gibt Indulgenz allen, die die Kirche oder Kapelle des hl. Nicolas im Warand in der Trierer Diöcese eifrig besuchen.

1335, Sept. 14.
Johannes, Grave von Sarbrücken, und Herre von Commercy, tut kund, daß Herr Nicholas, der frühere Kaplan der St. Nikolas Kapelle in dem Warande ihm zu seinem Seelgerede l00 Pfund schwarzer Turnose, die er zu Nutzen seiner Grafschaft verwendet, gegeben habe, er befiehlt, daß sein Meister-Förster im Warande dem jeweiligen Kaplan an genannter Kapelle zu Weihnachten und zu St. Johannes Tage je 25 Schilling Metzer Pfennige zu seiner und der Seinigen und des Kaplans Seelgerede auszahlen solle. 1335 an des heil. Cruces dage als er erhaben ward.

1346
Der Priester Johann von Kuchern hatte vom Kloster Wadgassen die Langwiese, die es von Johann von Benesdorf bekommen hatte, auf 6 Jahre für 6 Schilling Metzer Pennige gepachtet.  Niclas, Kirchherr von Rosseln siegelte.

1349, Dez. 1.
Graf Johann von Saarbrücken, Herr zu Commercy, erlaubt dem Abt von St. Nabor für das Priorat im Warand eine Herde großen Viehes, Pferde, Kühe und Ochsen zu halten und frei in dem Warand weiden zu lassen zu den 200 Schweinen, die es schon halten darf. Totholz kann das Kloster nach Belieben in dem Walde holen, auch einen Weiher innerhalb der Umzäunung graben; will es aber eine Mühle bauen, muß es 120 Pfund Metzer Denare zahlen.

1349, Dez. 4.
Johann, Graf von Saarbrücken und Herr von Commercy, erklärte, daß seine Vorfahren die Kapelle des heil. Nicolaus im Warant gestiftet und sie durch einen von ihnen ernannten Ewigvikar hätten versehen lassen. Er übergab dieselbe dem Abt des Klosters St. Nabor unter der Bedingung, daß dieser einen Prior und zwei Mönche als Geistliche dahin setzte; er überwies diesen alle Gebäude, Scheunen, Gärten, Büsche, Felder, Wiesen, Wälder, die dort waren, den Zehnten und alle Einkünfte, die die Kapelle bisher gehabt hatte; auch gestattet er, daß das Priorat, statt der bisherigen 25, nun l00 Schweine eigener Zucht und noch l00 andere in den Warndt treiben durfe. Waren noch Gebäude nötig, konnten die Brüder sie ungehindert errichten. Dazu übertrug er dem neuen Prior das Patronat der Kirche zu Rosseln, das bis jetzt dem Kaplan der St. Nicolaus-Kapelle zugestanden hatte. Der Graf verlangte, daß täglich 2 Messen gelesen werden sollten, die Tagesmesse mit Noten und mit einer Collecte des heiligen Nicolaus und eine Totenmesse mit leiser Stimme für das Seelenheil der gräflichen Familie; die Stundengebete sollte in der Kapelle gehalten und am Tage dabei die Glocken geläutet werden; besonders feierlich sollte das geschehen am Feste der Geburt Christi, zu Ostern, an den Tagen der Translatio des Nicolaus (9. Mai), Christi Himmelfahrt, Pfingsten, der Kirchweihe, Johannis des Täufers, Maria Himmelfahrt und des Nicolaus. Die Landeshoheit und alle Gerichtsbarkeit behielt sich der Graf vor. Der Abt Folmar von St. Nabor nahm die Schenkung an und versprach die genaue Befolgung vorstehender Bestimmungen und untersiegelte mit dem Grafen die Urkunde.

1357, Juli 11. - 1361, Nov. 20.
Innerhalb dieser Zeit lieferte die Pfarrei Emmersweiler im Archipresbyteriat St. Arnual 4 Groß und die Pfarrei Russele 6 Groß zu der ausgeschriebenen päpstlichen Steuer ab.

14o8
Johann von Bensdorf, Kaplan zu St. Nikolaus, bestätigte, daß er vom Hofmeister Johann von Saarbrücken 25 Gulden als Zins empfangen hat. Mittwoch vor St. Margarethen-Tag.

1423
Johann, Kirchherr zu Emmersweiler war Mitglied der St. Wendelin-Bruderschaft in Dieblingen/Lothringen.

1436
Contzmann von Homburg, Kaplan in St. Nicolaus, quittierte dem Hofmeister der Gräfin die vergessene Gild, die ihm von der Kapelle zustand.

1468
war die St. Nikolaus-Kapelle baufällig geworden.

1474
Bestellt Saarbrücken nach Minnekus Tod den Simon von Thedingen an, zugleich für Rosseln, wo er wohnte, auch für Emmersweiler.

1480
"Simon, Capellan zu St. Niclaus quittiert dem Rentmeister Peter über 50 Blanken, so ihm von der Kapelle zu Herbst 1479 auf dem galgengeding gefallen sind"

1500
Erweiterung der St. Nikolaus-Kapelle, datiert nach dem Fundamentstein: - M D -

1517
Simon von Rosseln, Kaplan zu St. Nikolaus und Emmersweiler war krank und Nicol Oster folgte ihm im Amt.

1523
Johann Krieger zu Rosseln quittierte über 5 Pfd. Geldes für die Kapelle in St. Nikolaus.

1526
"Johann von Styssen, Kirchherr zu Rosseln, quittiert über eine Jahrgülte von 5 Pfd., die zur Kapelle von St. Nikolaus gehört. Siegler: Johann Kirchherr zu Forbach. A.D.M. Metz.

1530
Johann von Straßen, Kirchherr in Rosseln, hatte die Kapelle in St. Nikolaus.

1544
Friedrich Andreas von Bischofshomburg (Lothr.) pastorisierte neben der Pfarrei Völklingen auch die Pfarrkirche zu St. Nikolaus im Warndt und die Kapellen zu Rosseln und Emmersweiler.

1545-50
Stephan Laubeck, von jetzt zu Völklingen.

1552
Friedrich Andreas von Bischofshomburg.

1555
Johann Göbel/Gebel von Berus.

1557
Mathias Eichhorn aus Bitburg bediente die Kirche von St. Nikolaus, die Kapellen zu Rosseln und Emmersweiler.

1560
Niclas von Trier.

1563
Lambrecht Aldringer.

1566
Das Kloster St. Nabor gibt seine Rechte und Gefälle in Rosseln an Nassau-Saarbrücken zurück.

1575
Nach der Einführung der Reformation durch Graf Philipp III. am 1. Januar 1575 ist in der ganzen Grafschaft Saarbrücken kein katholischer Gottesdienst mehr gedultet worden. An diesem Neujahrstag ließ der Graf in allen Kirchen seines Landes die Messen abstellen. Die Kirchen wurden ausgeräumt und standen leer.

Die Glocken der St. Nikolaus-Kapelle kamen nach Saarbrücken, eine in's Spital.

1576
Das Pfarrbesetzungsrecht stand den Grafen von Saarbrücken zu, welche dasselbe als ein Lehen des Bistums Metz besaßen. Nach der Einführung der Reformation wurde am 25.März 1576 Caspar Streitlin als evangelischer Pfarrer in Völklingen eingeführt, und ihm die Kirchen zu Rosseln und Schwalbach übertragen. Die Kirchen der Warndtorte Geislautern, Rosseln, St. Nikolaus und Emmersweiler wurden zeitweise von den in Völklingen wohnenden Pfarrern mitversorgt.

1587
"Die Lothringer sind mit 16 oder mehr Männern nach Emmersweiler gezogen und haben daselbst den Kirchturm bestiegen, die Glocken herabgeworfen und hinweggeschleift, und wenige Wochen danach mit etlichen Schützen und Wagen den in die Kirche zu Fölklingen gehörenden Zehnden hinweggefahren". Die Beschwerde des Grafen von Saarbrücken an den Herzog von Lothringen wegen dieser Angelegenheit blieb unbeachtet.

1593
Der lothringische Amtmann von Wallerfangen wollte die evangelischen Pfarrer von Eppelborn und Großrosseln festsetzen, jedoch nahm der lothringische Herzog selbst diesen Befehl zunächst wieder zurück.

1604
Gründung von Ludweiler

1608
Gründung von Naßweiler

1615
Große Armut ist unter den Leuten; viel leben ohne Brot und behelfen sich mit Nesseln und Wurtzeln, so sie essen

1615
die Kupferherren (in Geislautern) mit ihrem Gesind groß Ärgerniß anrichten; weil sie gemeiniglich auf die Feyertag und Bettag unter der Predigt arbeiteten; auch wohl auf den dominicalibus-festis (Herrenfesten), so gantz feyerlich gehalten werden.

1620
Lohfahren nach Metz
 
1635
Schwedische und französische Truppen versammelten sich in einem Feldlager bei Freimengen und rückten gegen das von Kaiserlichen besetzte Saarbrücken vor. Die von schwedischen Reitern als Pferdestall benutzte St.Nikolaus-Kapelle wurde durch Feuer zerstört. Im Jahr 1787 wurde die nicht unbedeutende Ruine abgebrochen, und ihre Steine fanden beim Bau des fürstlichen Jagdschlosses in Karlsbrunn Verwendung.

Auch die Kirchen in Emmersweiler und Rosseln überlebten den Dreißigjährigen Krieg nicht.  Die Emmersweiler Kirche wurde erst 1733 wieder an der alten Stelle aufgebaut, die Kirche von Rosseln ist nicht mehr an ihrer alten Stelle, sondern zunächst als Notkirche mit einem Strohdach in dem damaligen zu Lothringen gehörenden "Unterdorf" erbaut worden, die erst 1750 durch eine "Steinkirche" ersetzt wurde.

In kirchlicher Beziehung ist zu bemerken, daß bald nach der Gründung des Dorfes Nassweiler im Jahr 1608 von einer Pfarrei Naßweiler die Rede ist, eine Kirche war aber nicht im Orte, nur der evangelische Pfarrer wohnte hier, der Gottesdienst in St. Nicolas hielt. Heute gehören die Katholiken zur lothringischen Pfarrei Roßbrücken, die Evangelischen zu Carlsbrunn.

Autor: Hans Werner WEITER (Redaktionell überarbeitet von Thomas Stuppy)

Presseschau:

02.05.11

Mit Kathrin durch Saarbrücken

Michael Reimsbach, links, erklärte an der Schlossmauer Saarbrücker Geschichte

Führung in historischen Kostümen erklärt die Geschichte der Landeshauptstadt

 
Kategorie: Veranstaltungen, Geschichte
09.03.11

Jagd nach Völklinger Mythen soll den Stadt-Stolz stärken

Filmpalast in der Moltkestraße (1928)

Für schräge Blicke auf die Stadtgeschichte sucht ein neuer Volkshochschul-Arbeitskreis noch...

 
Kategorie: Geschichte, Völklingen

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